Erste Lesung aus dem Buch Hoséa. Hos 6, 3–6
3 Lasst uns den Herrn erkennen, ja lasst uns nach der Erkenntnis des Herrn jagen!
Er kommt so sicher wie das Morgenrot;
er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.
4 Was soll ich mit dir tun, Éfraim? Was soll ich mit dir tun, Juda?
Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht.
5 Darum habe ich durch die Propheten zugeschlagen,
habe sie durch die Worte meines Mundes umgebracht.
Dann wird mein Recht hervorbrechen wie das Licht.
6 Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern,
an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.
Zweite Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom. Röm 4, 18–25
Schwestern und Brüder!
18 Gegen alle Hoffnung hat Abraham voll Hoffnung geglaubt,
dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort:
So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
19 Ohne im Glauben schwach zu werden, bedachte er, der fast Hundertjährige,
dass sein Leib und auch Saras Mutterschoß schon erstorben waren.
20 Er zweifelte aber nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes,
sondern wurde stark im Glauben, indem er Gott die Ehre erwies,
21 fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt, auch zu tun, was er verheißen hat.
22 Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.
23 Doch nicht allein um seinetwillen steht geschrieben: Es wurde ihm angerechnet,
24 sondern auch um unseretwillen, denen es angerechnet werden soll, uns, die wir an den glauben,
der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat.
25 Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben,
wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus. Mt 9, 9–13
In jener Zeit – und das ist HEUTE –
9 sah Jesus einen Menschen namens Matthäus am Zoll sitzen
und sagte zu ihm: Folge mir nach!
Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach.
10 Und als Jesus in seinem Haus bei Tisch war,
siehe, viele Zöllner und Sünder kamen
und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.
11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern:
Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?
12 Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes,
sondern die Kranken.
13 Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!
Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
SONNTAGSGEDANKEN
Sehr wahrscheinlich kennen wir alle den Satz aus der Einleitung des Johannesevangeliums: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“
Wenn niemand Gott je gesehen hat und selbst Jesus nur Kunde von Gott brachte – also mit Worten von Gott sprach –, dann heißt das: Gott lässt sich nicht sehen, sondern Gott lässt sich durch die Botschaft, die Inhalte der Worte hören. Unsichtbar kommt Gott durch Worte zu uns. Wenn wir die Worte des Evangeliums hören oder lesen, dann sollen wir gewiss sein: durch diese Worte spricht Gott heute zu uns, so wie er damals durch Jesus zu den Menschen sprach. Die Worte selbst, die Buchstaben und Sätze sind nicht Gott, aber in ihnen verbirgt sich ein frohmachender Inhalt, den wir „Frohe Botschaft“ nennen.
Hören wir also in den Inhalt des heutigen Evangeliums hinein, in die Frohe Botschaft Gottes, der sich in und hinter den Worten verbirgt.
Da heißt es zunächst: „Jesus sah einen Menschen namens Matthäus am Zoll sitzen…“ Matthäus ist zwar ein Mann, aber im griechischen Urtext steht an dieser Stelle ganz bewusst:“ Jesus sah einen Menschen.“ Denn Jesus geht es nicht um Mann oder Frau, sondern um uns alle als Menschen. Und dieser hier genannte Mensch lautet Matthäus – ein Name mit tiefer hintergründiger Bedeutung. Dieser Name heißt übersetzt: „Gabe Gottes“, bzw.: „Geschenk Gottes“. Jesus sieht also einen Menschen, der ein Geschenk, eine Gabe Gottes ist.
Allein dieser erste Satz ist schon eine „Frohe Botschaft“: Wir Menschen sind eine Gabe, ein Geschenk Gottes. Im Grunde könnten wir hier schon aufhören, uns weiter mit dem Evangelium zu beschäftigen, damit diese Frohe Botschaft in uns – in unserem Herzen – wirken kann. Oder das selbstverständlich klar, dass wir uns als „Geschenk Gottes“ sehen? Glauben wir das? Leben wir damit?
Die folgenden Worte machen uns nämlich deutlich, dass diese Sichtweise schnell ins Wanken kommen kann. Es heißt: „Jesus sah einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen…“ Scheinbar nur eine unbedeutende Ortsangabe. Aber die Worte: „am Zoll sitzen“, sind mehr als nur eine sichtbare Ortsangabe. Da sitzt ein Mensch an einer Grenze, an einer Begrenzung. Da sitzt ein Mensch am Zoll, an einer Grenze mit zwei Seiten. Nicht nur mit zwei sichtbaren Zollseiten: außerhalb und innerhalb eines Stadtgebietes. sondern dieser Mensch mit Namen Matthäus - „Gottesgeschenk“ – sitzt als Israelit, als Kind des EINEN Gottes JHWH dort auch als Zöllner der Römer, den Anhängern der Vielgötterei. Beruflich vereint er etwas, was im Sinne seines Volkes, im Sinne seiner Religionszugehörigkeit eigent-lich unvereinbar ist. Eine Art „zwiespältiger Mensch“, der aber „Gottes Geschenk“ heißt – und es anscheinend für Jesus auch ist. Jesus sagt nämlich zu ihm: Folge mir nach! Jesus nimmt diesen zwiespältigen Grenzgänger als Gottes Geschenk an und begibt sich in dessen Haus, in dessen Wohnung, in dessen Lebensraum, und damit in dessen Herz.
Mal ehrlich: sind wir nicht alle „Grenzgänger und Grenzgängerinnen bezüglich unseres Glaubens“? Sind nicht andere Dinge, andere Wünsche und Vorstellungen oftmals unsere Götter, unsere Götzen? In der Lesung hörten wir, dass schon der Prophet Hosea spricht: „Eure Liebe zu Gott ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht.“ Ja, wir sind Grenzgänger! Wir überschreiten oft die Grenze, indem wir sagen: Ich glaube an Gott. Aber dann öffnen wir die Grenze für einen Glauben an alles Mögliche, was uns wichtiger ist als unser Christsein, wichtiger als unsere Gottesbe-ziehung. Darum füge ich immer, wenn es im Evangelium heißt: „In jener Zeit“ – immer hinzu: „und das ist HEUTE“. Wer das Evangelium als Worte Gottes HEUTE an uns versteht, der hört dann:
„Jesus sieht uns Menschen am Zoll sitzen…“ – ER sieht uns, die Grenzgänger zwischen Glauben und Unglauben. Aber über alle Zwiespältigkeit hinweg sieht er uns als „Gabe Gottes“, als „Geschenk Gottes“. Und gleich kommt er sogar leibhaftig in der Kommunion in unser Haus, in unsere innere Wohnung, in unser Herz.
Was wir hier jetzt als Gottesdienst feiern, das ist genau das, was das Evangelium so beschreibt: „Und als Jesus in des Zöllners Haus bei Tisch war, siehe, viele Zöllner und Sünder kamen und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.“ Genau das ist die Wirklichkeit unseres Hierseins in dieser Stunde. Auch zu uns sagt Jesus: „Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ Das Wort „Sünde“ meint in unserer Glaubenssprache: “zu trennen, was zusammengehört“. Und nichts in dieser Welt gehören mehr zusammen als Gott und Mensch. Denn Gott ist Mensch geworden und kehrt durch Wort und Sakrament ins Haus von uns Grenzgängern ein. In Christus Jesus ist Gott der heilende Arzt, der uns mit der Liebe Gottes verbindet, obwohl wir oft wie getrennt von ihm leben. Er verbindet uns nicht mit einem Pflaster. Er verbindet uns mit sich selbst – besonders in der Erfahrung der Heiligen Kommunion und in allen menschlichen Erfahrungen von Liebe, Vergebung und Versöhnung. Das ist der Inhalt von „Folge mir nach!“
Ferdinand Rauch / www.rauch-signale.de
FÜRBITTEN:
L.: Jesus hat gesagt: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen.“ Jesus hat ein Herz für die Schwachen, für die Versager. Er kam in unsere Welt, um Menschen aufzurichten und zu retten, statt sie zu richten; So vertrauen auch wir auf Gottes Barmherzigkeit - besonders in den Anliegen, die uns bewegen.
L.: Barmherziger Gott, du bist in unserer Welt, in der Menschen ausgegrenzt werden, weil sie uns fremd sind, weil sie anders sprechen und aussehen wie wir, und du bist in unserer Welt, in der sich viele diesen Mitmenschen zuwenden und um Verständnis und ein gutes Miteinander werben …
Barmherziger Gott: A.: Richte sie auf!
L.: Du bist in unserer Welt, in der die Mächtigen Kriege führen und die Machtlosen verachtet werden. Wir bitten für die Opfer der Kriege: für die Kinder, die in Schutzräumen lernen und spielen, für die Bauern, deren Felder vermint sind, für die Seeleute, die auf ihren Tankern wie gefangen sind. Vor dir denken wir an die Menschen in der Ukraine - im Libanon und in Israel - im Iran - im Sudan und im Kongo …
Barmherziger Gott: A.: Richte sie auf!
L.: Du bist in unserer Welt, in der sich Kranke und Schwerkranke nach Heilung sehnen, in der die Schwachen auf Fürsorge angewiesen sind.
Vor dir denken wir an die Verzweifelten und Trauernden, an alle, die sich um ihre Liebsten sorgen und ihnen beistehen …
Barmherziger Gott: A.: Richte sie auf!
L.: Du bist in der Welt, in der die steigenden finanziellen Belastungen vielen Menschen, die gepflegt werden müssen, und ihren Angehörigen mehr und mehr zu schaffen machen …
Barmherziger Gott: A.: Richte sie auf!
L.: Du bist in unserer Welt, in der es immer wieder Menschen gibt, die deinem Ruf folgen und dir und den Menschen dienen wollen - in caritativen und kirchlichen Berufen, als Missionarinnen und Missionare in aller Welt, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Entwicklungshilfe …
Barmherziger Gott: A.: Richte sie auf!
L.: Herr, du machst heil, was verwundet ist, du schenkst Gemeinschaft, wo andere ausstoßen und verletzen; du bist der Arzt, der durch die Frohe Botschaft unser Herz gesundmacht. Wir danken dir für deine Freundschaft und Liebe - jetzt, in dieser Stunde, und alle Tage unseres Lebens. A.: Amen.