ZUR 1. Lesung des 16. Sonntags i. Jkr. C Gen 18,1–10a
In der Sonntagslesung (Gen 18,1–10a; vgl.) sind drei Männer / drei Engel / Gott selbst bei Abraham zu Gast. Abraham folgt der Verpflichtung zur Gastfreundschaft. Nach dem Mahl erneuern die Männer das Versprechen Gottes auf einen Sohn – und Sara, verborgen hinter der Zeltbahn, hört zu. Ohne zu wissen, wer da spricht, jauchzt sie auf vor Freude auf eine so lange ersehnte Schwangerschaft – oder sie bricht in Prusten aus, denn sie weiß, dass ihre fruchtbaren Jahre vorbei sind. Beide Lesarten sind möglich. In jedem Fall wird ihr Sohn seinen Namen von diesem Auflachen erhalten und nicht von Abrahams resigniert-zweifelndem Lachen beim vorherigen Gottesbesuch. Damals lachte Abrahm auf Gottes Verheißung hin (vgl. Gen 17,17) und ließ seinem Lachen den Wunsch folgen, wenigstens Ismael solle das Erwachsenenalter erreichen (vgl. Gen 17,18) – das ist ungefähr so, als wenn er gesagt hätte, „wer’s glaubt…“
An der Stelle, an der Sara auflacht, gibt der Text das Vexierspiel mit den drei Männern / drei Engeln / Gott selbst auf und nennt Abrahams Gast selbst mit dem Gottesnamen JHWH. Saras Lachen lässt Gott sich offenbaren, und umgekehrt offenbart Gott sich ihr. Sara ist keine Zweiflerin, denn als sie realisiert, mit wem sie spricht, distanziert sie sich sofort von ihrem Auflachen.
Diese Episode des Gastmahls mit Verheißung ist der einzige Teil aus der Geschichte um Sara, der als Lesungstext an einem Sonntag vorgetragen wird. Sara ist damit eine von fünf Frauen, die in der ersttestamentlichen Lesung an einem Sonntag oder Hochfest vorkommen. Zum Verhältnis: Im Ersten Testament gibt es knapp über 60 Frauen mit Namen und Geschichte. Die anderen vier Frauen, die es in eine Sonntags- oder Hochfestlesung geschafft haben, sind Eva – drei Sonntage und ein Hochfest –, die Witwe von Sarepta aus den Geschichten um Elija, und zwei allegorische Figuren, nämlich die Frau aus dem Hohelied am Festtag von Maria aus Magdala und die „gute Frau“ aus dem Buch der Sprichwörter, die allerdings gnadenlos sinnentstellend zurechtgekürzt wird.
Sara gehört in die Auflistung dieser fünf Frauen eigentlich nur halb hinein, denn es wird nur die Hälfte der Perikope gelesen: Der Lesungstext am 16. Sonntag im Jahreskreis C endet mit Vers 10a. Dort sagen die Männer / Engel / Gott selbst zu Abram: „Über die Zeit, die das Leben braucht, werde ich wieder zu dir kommen. Siehe, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben“ (Gen 18,10a). Vorher kam Sara auch nur indirekt vor, nämlich in Abrahams Aufforderung, für die Gäste Brot zu backen. Den Rest der Geschichte, die bis Vers 15 eine zusammenhängende Einheit bildet, wird nicht mehr vorgetragen. Saras Zuhören, ihre Gedanken, ihr Glucksen oder Jauchzen und ihr kurzes Gespräch durch die Zeltwand hören die Menschen im Sonntagsgottesdienst also nie. Die ausbalancierte Geschichte – erst agiert Abraham, dann die Männer, dann Sara – bekommt damit eine Schlagseite, die Sara, ohnehin schon unsichtbar hinter der Zeltbahn, auch noch unhörbar macht. Es wäre doch schön gewesen, wenn die Frauenrolle hier über das reine Gebären hinausgehen würde, wo sie das im so alten Text schon tut. Sara ist ein Mensch mit einer eigenen Gottesbeziehung, doch das kommt nicht mehr zum Tragen.
In der gekürzten Fassung der Sonntagslesung wird die Geschichte des Gastmahls mit den drei Männern / drei Engeln / Gott selbst kombiniert mit der Erzählung aus dem Lukasevangelium, wie Marta, die „Herrin“, Jesus aufnimmt (Lk 10,38–42). Damit wird über die Stichwortverknüpfung der „Gastfreundlichkeit“ das Interesse auf die Identität des Besuchs gelenkt. Eine vollständige Lesung der Geschichte aus der Genesis hätte auch die Verbindung von Erstem und Zweiten Testament bereichert, dann könnte Saras Zuhören nämlich von Maria her nochmal neu betrachtet werden; aber diese Verbindung fällt durch die Kürzung hintenrunter.
Eine andere wichtige Verbindung ins Zweite Testament hinein geht durch die Kürzung der Lesung und die Textauswahl aus dem Evangelium ebenfalls unter, und das ist die Form, in der Lukas das Wort Gottes an Abraham aufgreift, wo die Sohnesverheißung bekräftigt wird: „Ist denn für JHWH ein Ding zu wunderbar?“ (Gen 18,14). Lukas kannte die griechische Fassung des Buches Genesis, wo es wörtlich heißt „Ist kraftlos bei Gott eine Sache?“ Er ändert das so behutsam ab, dass er es auf die Schwangerschaft der zweittestamentlichen Elisabeth mit Johannes dem Täufer hin aktualisieren kann, wenn der Engel Gabriel diese im Gespräch mit Maria erwähnt: „Denn nicht kraftlos ist bei Gott jedes Wort“ (Lk 1,37). Diese Verknüpfung würde den Fokus von Gott und Abraham lösen und den Blick weiten, auf das Motiv der Engelworte und die späten Mütter von Verheißungskindern hin, und die zweittestamentlichen Frauen Maria und Elisabeth mit Sara in die Reihe der Erzmütter des
Annette Jantzen, geb. 1978, Dr. theol., studierte Katholische Theologie in Bonn, Jerusalem, Tübingen und Strasbourg