Erste Lesung aus dem Buch der Weisheit. Weish 18, 6–9
6 Die Nacht der Befreiung wurde unseren Vätern vorher angekündigt;
denn sie sollten sich freuen in sicherem Wissen, welch eidlichen Zusagen sie vertrauten.
7 So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde.
8 Wodurch du die Gegner straftest, dadurch hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht.
9 Denn im Verborgenen opferten die heiligen Kinder der Guten;
sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, dass die Heiligen
in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten,
und stimmten dabei schon im Voraus die Loblieder der Väter an.
Zweite Lesung aus dem Hebräerbrief. Hebr 11, 1–2.8–19
Schwestern und Brüder!
1 Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.
2 Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten.
8 Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land,
das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
9 Aufgrund des Glaubens siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde
und wohnte mit Ísaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten;
10 denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat.
11 Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft,
trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheißung gegeben hatte.
12 So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab:
zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.
13 Im Glauben sind diese alle gestorben und haben die Verheißungen nicht erlangt,
sondern sie nur von fern geschaut und gegrüßt
und sie haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind.
14 Und die, die solches sagen, geben zu erkennen, dass sie eine Heimat suchen.
15 Hätten sie dabei an die Heimat gedacht, aus der sie weggezogen waren,
so wäre ihnen Zeit geblieben zurückzukehren;
16 nun aber streben sie nach einer besseren Heimat, nämlich der himmlischen.
Darum schämt sich Gott ihrer nicht, er schämt sich nicht, ihr Gott genannt zu werden;
denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.
17 Aufgrund des Glaubens hat Abraham den Ísaak hingegeben, als er auf die Probe gestellt wurde;
er gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte
18 und zu dem gesagt worden war: Durch Ísaak wirst du Nachkommen haben.
19 Er war überzeugt, dass Gott sogar die Macht hat, von den Toten zu erwecken;
darum erhielt er Ísaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas. Lk 12, 32–48
In jener Zeit und das ist HEUTE – sprach Jesus zu seinen Jüngern:
32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.
33 Verkauft euren Besitz und gebt Almosen! Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden!
Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet
und keine Motte ihn frisst!
34 Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
35 Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen!
36 Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt,
damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!
37 Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch:
Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.
38 Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie.
39 Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt,
so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.
40 Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
41 Da sagte Petrus: Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen?
42 Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter,
den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt?
43 Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
44 Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen.
45 Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen!
und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen,
46 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet,
und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen
und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.
47 Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt,
der wird viele Schläge bekommen.
48 Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient,
der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden,
und wem man viel anvertraut hat,von dem wird man umso mehr verlangen.
SONNTAGSGEDANKEN
„Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“
Diese Worte Jesu machen deutlich: ER macht Mut, vor dem Kleinen keine Angst zu haben, keine Angst vor dem Wenigen, dem Geringen. ER selbst kam als kleines Kind im Stall. ER wird am Schluss ganz klein, ganz gering, ganz schwach gemacht - ja sogar für die Welt im Tod zu „Nichts“, zunichte gemacht. Und doch ist ER für uns Christinnen und Christen „Alles“. Diesbezüglich ist er wie eine Art Schlusspunkt der „Kleinen–Herde–Erfahrung“. Gott beginnt das Große immer im Kleinen: Siehe Abraham und Sarah, Isaak und Rebekka, Jakob und Rahel, Joseph, Mose, Ruth, David usw., …
Die ganze Geschichte Israels und der Kirche steht unter dem Wort: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“ Darum brauchen wir auch heutzutage keine Angst zu haben, wenn wir erleben, dass viele der Kirche in Deutschland den Rücken kehren. Das Reich Gottes hängt nicht von Mitgliederzahlen in unserem Land ab. Das Reich Gottes ist da, wo Du und ich, wo wir an „die Liebe Gotts zu allen Menschen“ glauben.
Das Reich Gottes umfängt alle! „Katholisch“ bedeutet doch „allumfassend“ und nicht „römisch begrenzt umfassend“. Wozu hören wir sonst zur Heiligen Wandlung: „Mein Blut, das für Euch und für alle vergossen wurde zur Vergebung der Sünden.“
Natürlich sind diejenigen, die glauben, dass sie und alle anderen von Gott geliebt sind, innerlich glücklicher als die, die das nicht kennen, oder denen das egal ist. Aber wir glauben doch für die ganze Welt die Erlösung durch allumfassendes göttliches Geliebtsein. Darum fährt Jesus - ganz logisch - in bildhafter Sprache fort: „Verkauft euren Besitz und gebt Almosen! Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden! Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst! Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“ Kein Besitz ist so kostbar wie der Besitz der Gewissheit: „Euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“
Dieser „Besitz“ ist kein Gegenstand, kein Besitz, kein Geld, sondern eine dynamische Beziehung, die Jesus mit einer „Exodus-Erwartungs-Haltung“ charakterisiert: „Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen!“ (Siehe Erste Lesung) Derart vorbereitet erwartete Israel den Beginn seiner größten Gotteserfahrung: den Exodus – den Auszug aus Ägypten. Das Reich Gottes ist fortwährend „EXODUS“ und nicht „sitzen bleiben“.
Jesus fährt fort: „Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!“ Warum diese zusätzliche Bemerkung: „…der von einer Hochzeit zurückkehrt“? Hätte es nicht genügt zu sagen: „Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!“? Jesus schildert in diesem Bildwort den Herrn des Hauses als einen, der vom Fest der Liebe kommt: … vom Fest, wo zwei sich zusagen: „Ich liebe Dich. Ich bin immer für Dich da – in Guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit. Unser Leben hat einen gemeinsamen Weg“ Dieser Herr ist so sehr von dieser Hochzeit geprägt, dass es heißt: „Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.“ Der Herr bedient seine Dienerinnen und Diener wie Geliebte: „ICH LIEBE EUCH. ICH BIN FÜR EUCH DA.“ Das ist die Heilige Wandlung des Herrn für uns!
Darum mahnt Jesus seine kleine Herde: “Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.“ Jesus weiß, dass das kein selbstverständlicher, „sicherer Besitz“ ist, sondern eine dynamische Beziehung. Eine Beziehung, die durch unerwartete Einbrüche ins Leben geraubt werden kann. Gerade dann, wenn wir es nicht erwarten, wenn wir andere Vorstellungen vom Leben haben, dann ist es wichtig zu wissen: „Euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“ Gewiss zu sein: Die Gottesbeziehung ist dynamisch – man kann sie nicht an bisherigen Zuständen festmachen, sondern man muss eventuell auch im Verlust vertrauen: „Euer Vater hat (in Jesus schon) beschlossen (!), euch das Reich zu geben.“
Durch die Frage des Petrus: „Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen?“ wird deutlich, dass die Verkündiger/innen des Reiches Gottes eine große Verantwortung haben. Darum antwortet Jesus: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration – das tägliche Brot – gibt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen.“
Verkündiger/in zu sein bedeutet also: den Menschen in der Gemeinde, in der Kirche, „geistliche Nahrung“ zu geben. Ich möchte dieses „Geben der geistlichen Nahrung“ nicht nur als Aufgabe für die sogenannten „Hauptamtlichen“ verstehen. Denn dann könnten die Sonntagsgedanken wegfallen. Ich bin ja kein hauptamtlicher Christ mehr. Aber das Evangelium ist nun mal „Frohe Botschaft“, die mich nicht ruhen lässt. Ich möchte das „Weitergeben der geistlichen Nahrung“ auch als Aufgabe für Eltern, Großeltern – eigentlich für uns alle, die wir uns Christinnen oder Christen nennen – sehen. Gibt es Sinngebenderes als: „Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“? Geben wir seinen Beschluss weiter.
Ferdinand Rauch / www.rauch-signale.de