Erste Lesung aus dem Buch Jesus Sirach. Sir 3, 17–18.20.28–29 (19–21.30–31)
17 Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden
und du wirst geliebt werden von anerkannten Menschen!
18 Je größer du bist, umso mehr demütige dich und du wirst vor dem Herrn Gnade finden!
20 Denn groß ist die Macht des Herrn, von den Demütigen wird er gerühmt.
28 Es gibt keine Heilung für das Unglück des Hochmütigen,
denn eine Pflanze der Bosheit hat in ihm Wurzel geschlagen.
29 Das Herz eines Verständigen wird einen Sinnspruch überdenken
und das Ohr des Zuhörers ist die Sehnsucht des Weisen.
Zweite Lesung aus dem Hebräerbrief. Hebr 12, 18–19.22–24a
Schwestern und Brüder!
18 Ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hinzugetreten,
zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind,
19 zum Klang der Posaunen und zum Schall der Worte, bei denen die Hörer flehten,
diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden.
22 Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes,
dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung
23 und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind,
und zu Gott, dem Richter aller, und zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten,
24 zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus.
Aus dem heiligen Evangelium Jesu Christi nach Lukas. Lk 14, 1.7–14
1 Jesus kam an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen.
Da beobachtete man ihn genau.
7 Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten,
erzählte er ihnen ein Gleichnis. Er sagte zu ihnen:
8 Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist,
nimm nicht den Ehrenplatz ein!
Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein, der vornehmer ist als du,
9 und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen
und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz!
Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen.
10 Vielmehr, wenn du eingeladen bist, geh hin und nimm den untersten Platz ein,
damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf!
Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
11 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt,
und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
12 Dann sagte er zu dem Gastgeber:
Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst,
lade nicht deine Freunde oder deine Brüder,
deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein;
sonst laden auch sie dich wieder ein und dir ist es vergolten.
13 Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
14 Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten;
es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.
SONNTAGSGEDANKEN
Eingeladen zu sein – das bedeutet: Du bist erwünscht. Man will Dich dabeihaben. Man möchte nicht ohne Dich feiern. Du sollst beim frohen Fest dabei sein.
Und Jesus erzählt nicht von irgendeinem Fest, sondern von einer Hochzeit. Es ist das Fest der Liebe, bei dem zwei Menschen für immer JA zueinander sagen. Für Jesus scheinen Hochzeitsfeste eine ziemlich zentrale Bedeutung zu haben, denn er spricht oft davon und feiert auch Hochzeitsfesten mit. Für Jesus ist die Hochzeit – das ‚Einander–für–immer–Annehmen‘ – ein sehr bedeutendes Bild für das REICH GOTTES. Denn für Jesus ist das JA-WORT zum anderen Menschen der Kern des Wesens Gottes. Wir hörten ja in der Lesung: Jesus ist der Mittler eines neuen Bundes.„Eingeladen zu sein“ – ist selbst schon eine Bejahung, denn wer einen anderen einlädt, der bejaht denjenigen. Eingeladene Menschen erfahren: Du bist mir wichtig. Ich freue mich über Dich. Ich möchte Dich gern bei meinem Freudenfest dabeihaben.
Ob wir die Einladung zur Heiligen Messe auch immer so sehen? Die Eucharistiefeier ist eine Einladung Gottes an uns, durch die er uns sagt: Ich freue mich, dass Du da bist, Ja, ich will Dich bei mir haben. Ich will mit Dir zusammen sein. Du bist mir wichtig! Heilige Messe ist eine Art „Hochzeit“, denn im heiligen Mahl „vermählt“ sich Gott untrennbar mit uns. Es gibt keinen höheren Ehrenplatz, denn in der Kommunion nimmt Gott Platz in uns. Wir selbst sind Gottes Ehrenplatz. Gibt es eine größere Ehre?
In dem Gleichnis, das Jesus erzählt, werden uns Menschen vor Augen geführt, die anscheinend an Minderwertigkeitskomplexen leiden. Sie wurden eingeladen und damit vom Gastgeber als gewollte, als erwünschte und beliebte Menschen aufgenommen, aber ihnen genügt das anscheinend nicht. Sie geben sich selbst die Ehre, die ihnen aber nur von einem anderen geschenkt werden kann. Das heißt: Ehre geben uns immer nur die Anderen, die das Gute in uns sehen. „Der Begriff „Ehre“ beinhaltet, dass andere uns Anerkennen. Darum geben sie uns die Ehre. Wer im anderen Schlechtes, Böses sieht, wird ihn wohl kaum einladen und ehren.
Mit seiner Beispielgeschichte macht Jesus deutlich, dass es Menschen gibt, die keine richtige Beziehung zu sich und zu den anderen Menschen haben. Sie haben einen Minderwertigkeits-komplex, den sie durch Selbstverehrung, durch Selbstüberschätzung überwinden wollen. Sie nehmen sich selbst, was sie nur von anderen geschenkt bekommen können. In diesem Fall nehmen sich solche Wichtigtuer selbst die Plätze, die anderen geschenkt werden sollen. Peinlich, wenn es dann heißt: „Mach diesem hier Platz!“ Beschämt müssen sie den Ehrenplatz verlassen.
Mit seiner Beispielgeschichte beschreibt Jesus Menschen, denen die Ehre zuteilwurde, eingeladen zu sein. Es ist ein Bild für das Reich Gottes, denn Gott hat uns alle eingeladen. Alle Menschen sind im Reich Gottes. Paulus sagt zu den Heiden in Athen: „Keinem von uns ist Gott fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir;“ (Apg 17,27-28) Gott hat uns allen also die Ehre gegeben. Viele haben leider nie wirklich in ihrem Herzen erkannt, dass sie durch die Taufe die Würde, die Ehre der Gotteskindschaft erlangt haben. Es ist die höchste Ehre, die ein Mensch überhaupt geschenkt bekommen kann. Weil viele zwar getauft sind, aber diese Würde nie tiefer in sich als höchste Ehre erkannt und froh angenommen haben, leiden sie unbewusst an Minderwertigkeits-komplexen. Obwohl sie eingeladen sind zur Hochzeit, zum Fest „Du, Gott, mit mir“ und „Ich mit Dir, Gott“ – leiden sie an dem Gedanken: sie seien minderwertig. Sie haben nie wirklich ihre Ehre erkannt, die Gott ihnen geschenkt hat.
Christin zu sein, Christ zu sein bedeutet: Wir haben durch unseren Glauben an Gott unsere ewige, Würde, unsere unverlierbare Ehre erkannt. Gott hat uns erhöht. Auch wenn andere uns anders sehen, weil sie mehr auf unsere Schwächen, Fehler und Gebrechen blicken: Gott sieht immer nur mit Liebe auf uns. Gott sieht uns alle – wirklich alle – ganz anders an. Warum hätte er sonst für uns Mensch werden sollen? Warum hätte Jesus sonst am Kreuz den letzten Platz für uns eingenommen?
Darum spricht Jesus sehr provokant: „Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.“ Solchen Menschen wurde zur Zeit Jesu generell die von Gott gegebene Würde abgesprochen, die von Gott verliehene Ehre geleugnet. Bei uns sind es im Land oft die Ausländer, die Flüchtlinge, die sozial Schwachen.
Jesus erhielt daher am Kreuz, dem Schandpfahl, – dem Platz der Ehrlosen – von Gott die Letzte Ehre, die höchste Ehre: nämlich zur Rechten Gottes zu sitzen – wie wir es im Glaubensbekenntnis bekennen. Dort sprach Gott zu IHM: Mein Freund, rück weiter hinauf!
Wir sind heute hier, weil Gott uns eingeladen hat. Durch diese Geschichte sind wir dazu aufgerufen, uns zu fragen und nachzudenken:
Was bewirkt in uns diese Ehre, die Gott uns gibt?
Vertreibt die Ehre, die Gott uns immer wieder gibt, unsere Minderwertigkeitsängste, damit wir uns nicht überheblich verhalten?
Verleiht die Würde, die Gott uns durch die Vermählung bei der Kommunion schenkt, den Mut, Vorurteile gegenüber anderen zu überwinden?
Gott hat uns eingeladen zu einem Leben mit ihm – zu einem Leben in seiner bedingungslosen Liebe. Das Fest hat begonnen, denn wir sind sein Ehrenplatz.
Ferdinand Rauch / www.rauch-signale.de
FÜRBITTEN
L.: Herr Jesus Christus,Du hast uns gerufen, und wir sind gekommen. Wir danken Dir, dass Du uns zum Gastmahl Deiner Menschenliebe eingeladen hast. Im Vertrauen, dass Du Dich mit uns im Mahl verbindest, bitten wir: Herr, stärke in uns Deinen Geist.A.: Herr, stärke in uns Deinen Geist.
L.: Für alle unter uns, die von sich oder von anderen minderwertig denken: Erfülle uns mit dem Vertrauen, dass Du jede und jeden von uns in Liebe gewollt, erwählt und auf ewig angenommen hast.Herr, stärke in uns Deinen Geist.A.: Herr, stärke in uns Deinen Geist.
L.: Herr Jesus Christus, wir alle haben in Familie, Beruf, in Vereinen und in unserer Gesellschaft einen Platz eingenommen. Lass uns erkennen, wie wir an unserem Platz einander beistehen und dienen können und nicht andere beherrschen wollen.Herr, stärke in uns Deinen Geist.A.: Herr, stärke in uns Deinen Geist.
L.: Heiliger Geist Jesu Christi, durch die Taufe bist Du schon in diesem Leben eingegossen in unsere Herzen als Unterpfand ewiger Herrlichkeit. Bewahre uns vor Überheblichkeit gegenüber anderen Menschen, denn wir alle sind Kinder Gottes – auch wenn niemand von uns vollkommen ist. Herr, stärke in uns Deinen Geist. A.: Herr, stärke in uns Deinen Geist.
L.: Herr Jesus Christus, bewirke durch Dein heutiges Evangelium, dass wir erkennen: Du hast uns trotz aller Schwächen und Fehler als Deine Freundinnen und Freunde erwählt. Du hast uns die Ehre Deiner Liebe erwiesen. Hilf uns, Deine Ehre, die Du uns gabst, anderen zu erweisen.Herr, stärke in uns Deinen Geist. A.: Herr, stärke in uns Deinen Geist.
L.: Unsere Verstorbenen sind nun zum himmlischen Hochzeitsmahl bei Dir, o Gott. Durch Dich sind und bleiben wir schon jetzt mit ihnen auf verbunden, denn Du schenkst uns allen einen Platz bei Dir in Ewigkeit. A.: AMEN.