ALLERSEELEN - C

Erste Lesung aus dem zweite Buch der Makkabäer.                2 Makk 12, 43–45

     In jenen Tagen

43 veranstaltete Judas, der Makkabäer, eine Sammlung, an der sich alle beteiligten,

     und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem,

     damit man dort ein Sündopfer darbringe.

     Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung.

44 Denn hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden,

     wäre es überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.

45 Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen,

     der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit entschlafen.

     Ein heiliger und frommer Gedanke!

     Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.

Zweite Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Thessalónich 1 Thess 4, 13–18

13 Schwestern und Brüder,

     wir wollen euch über die Entschlafenen nicht in Unkenntnis lassen,

     damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben.

14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist,

     so wird Gott die Entschlafenen durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen.

15 Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn:

     Wir, die Lebenden, die noch übrig sind bei der Ankunft des Herrn,

     werden den Entschlafenen nichts voraushaben.

16 Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen, wenn der Befehl ergeht,

     der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt.

     Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen;

17 dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind,

     zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt zur Begegnung mit dem Herrn.

     Dann werden wir immer beim Herrn sein.

18 Tröstet also einander mit diesen Worten!

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. Joh 11, 17–27

      Als Jesus in Betánien (בית עניה) ankam, 

17 fand er Lázarus (=Gott hilf) schon vier Tage im Grab liegen.

18 Betánien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.

19 Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.

20 Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, 

     Maria aber blieb im Haus sitzen.

21 Marta sagte zu Jesus: 

     Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

23 Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

24 Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird

     bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.

25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. 

     Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,

26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

27 Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist,

     der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

ALLERSEELEN-GEDANKEN

ALLERSEELEN – Wir gedenken unserer Verstorbenen. 

Nicht nur, dass wir uns an sie erinnern, weil wir sie kannten, schätzten, liebten. Sie gehörten zu unserem Leben. Sie lebten mit uns zusammen. Und nun sind sie tot. Sie sind – wie wir sagen – nicht mehr unter den Lebenden. Sie sind nicht mehr bei uns. 

Auch wenn es abgedroschen und banal klingt wie eine Binsenwahrheit: … aber: „so ist der Lauf des Lebens.“ Unser Leben läuft auf Tod hinaus – auf ein Lebens-Ende. 

Unser Tod ist das Schwierigste, was zu unserem Leben gehört, denn mit dem Tod hört das Leben in Raum und Zeit auf. Doch das Leben ist es, was alle „Lebewesen“ – wie wir es ja mit diesem Wort „Lebewesen“ ausdrücken – ausmacht. Darum ist für alle Lebewesen die Weitergabe des Lebens so wichtig. Selbst die Bibel verkündet das Leben als ein nicht enden wollendes und sollendes Leben „von Geschlecht zu Geschlecht“. 

Menschsein ist untrennbar mit Leben verbunden. Ohne Leben gäbe es uns gar nicht. Menschsein und Leben sind untrennbar; sie gehören untrennbar zusammen. Darum gehört zu unserem Menschsein auch die Vorstellung, also der Gedanke an ein ewiges Leben, das nicht nur biologisch „von Geschlecht zu Geschlecht“ weiterlebt, sondern in einer unzerstör-baren – über die Grenzen von Raum und Zeit hinausgehenden – Lebensbeziehung besteht, die der Tod nicht beenden kanWir Menschen sind nicht nur Lebewesen, die um das biologische Lebensende wissen. Wir sind Lebewesen, die sich durch das Denken und Nachdenken über unser Leben zumindest eine Lebens-Beziehung mehr vorstellen können als Raum und Zeit anbieten können. 

An Jesus Christus zu glauben bedeutet daher, dass wir Christinnen und Christen zwar keine Beweise für in „Ewiges Leben“ haben, aber durch diese mögliche Denkvorstellung unsere Todeserfahrungen ganz anders, ganz neu sehen können. Und zwar nicht nur als ein Ende, sondern als Vollendung eines Lebens, das durch Raum und Zeit hindurch schon immer da war und ist und nun raum- und zeitlos weiterbesteht. 

Wir Menschen können das „denken“ und dieses Nachdenken als Chance des Glaubens an ein Dasein in Gott erkennen. Es ist kein Denken, kein Nachdenken „gezwungener Maßen“ – wie „zwingen-de Beweise“. Es ist ein Denken und Nachdenken ohne: „Du musst“, sondern das Ergreifen der absoluten menschlichen Gedanken-freiheit, welche die Möglichkeit „ewigen Lebens“, „ewigen Gewolltseins“ in Gott ermöglicht, ohne den Tod abzuschaffen, ohne die Realität unseres Todes wegzureden. Unser Glaube an die „Vorstellungswelt, die Gedanken Jesu“ schenkt uns zumindest eine neue Sichtweise für unser Leben, zu dem der Tod untrennbar gehört. An uns als auf den Tod zugehende Menschen richtet sich  das in aller Freiheit zu glaubende Wort des Paulus: „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von Gottes Art.“ (Apg 17,28) Christsein ist ja geradezu die Aufforderung, in aller Freiheit zu denken, umzudenken, neu zu denken, Größeres zu denken. 

Darum sagt Jesus, der bei seiner Taufe die Menschwerdung Gottes in sich erfahren hat, im heutigen Evangelium: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“Jesus denkt durch seinen Glauben an Gott – also durch das Geschenk des Hl. Geistes, an den er glaubt – nicht nur: Ich verkündige Euch „die Auferstehung und das Leben“, sondern „Ich bin“ die Auferstehung und das Leben.

Das ist ganz, ganz wichtig!

Denn Jesus spricht weiter: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, …“. An Jesus zu glauben, IHM zu vertrauen bedeutet, dass auch jeder von uns durch Jesus hindurch sagen kann – ja gerade zu in aller Freiheit sagen darf: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Darum enden doch viele unserer Gebete mit den Worten: „… durch Christus, unseren Herrn.“ Darum ist es geradezu logisch, dass es heute im Evangelium heißt: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Jeder ist im Glauben an Jesus Christus schon jetzt „Auferstandene/r“. Deswegen fragt Jesus: „Glaubst du das?“ 

Unser Glaube ist kein Glaube von uns weg – nur an Jesus, sondern es ist ein Glaube an unseren eigenen Besitz des göttlichen Lebens jetzt und hier in Raum und Zeit, und zwar „durch Christus unseren Herrn“. Darum heißt es im Hochgesang (Präfation VI) vor der Heiligen Wandlung: „Denn in dir leben wir, in dir bewegen wir uns und sind wir. Jeden Tag erfahren wir aufs Neue das Wirken deiner Güte. Schon in diesem Leben besitzen wir den Heiligen Geist, das Unterpfand ewiger Herrlichkeit. Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten und uns die sichere Hoffnung gegeben, dass sich an uns das österliche Geheimnis vollendet.“ 

„Glaubst du das?“ Ich glaube das für uns alle – hier und jetzt. Unser „Ewiges Leben“ beginnt nicht erst nach dem Tod, sondern hat mit jeder und jedem von uns von Mutterleib an begonnen. „Glauben“ ist kein Glauben an das, was später kommt, sondern ist „Gott mit uns“ jetzt, ist Ewigkeit jetzt für uns und unsere Verstorbenen. Darum gibt es für uns Christen keine „Armen Seelen“, keine Verdammnis, keine Hölle, „denn in Gott leben wir, in Gott bewegen wir uns und sind wir.“ Darum ist Allerseelen ein Tag der Verbundenheit von Gott und allen Menschen, ein Tag des Trostes trotz Todeserfahrung, weil wir als Menschen des christlichen Glaubens Größeres denken und bedenken können. Wir sehen uns mit allen Verstorbenen schon jetzt als ewig Lebende.  Denn wir antworten auf die Frage Jesu: „Glaubst du das?“

Ja, wir glauben an unser aller ewiges Leben durch Christus unsern Herrn. AMEN.

Ferdinand Rauch / www.rauch-signale.de

ZUKUNFT

liegt nicht vor uns.

Zukunft liegt in uns! 

Darum sagt Jesus immer wieder:

ICH BIN

und nicht: Ich werde.

 

Mit dem, was ICH BIN, 

gestalte ich

mein Leben, 

gehe In meine Zukunft hinein.

Das ist christliches Leben,

denn: ICH BIN IN GOTT,

dem ICH BIN BEI EUCH.

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