Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth 1 Kor 3, 9c–11.16–17
Schwestern und Brüder!
9c Ihr seid Gottes Bau.
10 Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde,
habe ich wie ein weiser Baumeister den Grund gelegt;
ein anderer baut darauf weiter.
Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut.
11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist:
Jesus Christus.
16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid
und der Geist Gottes in euch wohnt?
17 Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören.
Denn Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr.
Aus dem heiligen Evangelium Jesu Christi nach Johannes. Joh 2, 13–22
13 Das Paschafest der Juden war nahe
und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.
14 Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben
und die Geldwechsler, die dort saßen.
15 Er machte eine Geißel aus Stricken
und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus
samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus,
ihre Tische stieß er um
16 und zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg,
macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
17 Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht:
Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.
18 Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm:
Welches Zeichen lässt du uns sehen, dass du dies tun darfst?
19 Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder
und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
20 Da sagten die Juden:
Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut
und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?
21 Er aber meinte den Tempel seines Leibes.
22 Als er von den Toten auferweckt war,
erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte,
und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
SONNTAGSGEDANKEN
Immer wieder sprechen wir von uns oder von anderen Menschen in Bildern. Das heißt: wir versuchen durch Bilder uns selbst oder jemand anderes zu beschreiben, zu charakterisieren, um damit deutlich zu machen, wie er oder sie sich zuweilen verhalten, wie er oder sie empfunden wird. Da fallen oft Vergleichsbilder wie: Der ist stur wie ein Ochse oder störrisch wie ein Esel oder stumm wie ein Fisch. Wir können auch von uns selbst, von unseren inneren Zuständen und Gefühlen in Bildern sprechen. Dann sagen wir möglicherweise: "Ich komme mir vor wie ein Fisch auf dem Trockenen" oder "Ich komme mir vor wie im falschen Film". Natürlich erleben wir uns auch sehr positiv und beschreiben das eventuell mit den Worten: Ich komme mir vor, wie eine Königin" oder „Ich fühle mich wie Hans im Glück.“
Heute hören wir, wie Jesus in Bildersprache von sich spricht. Er sagt: „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Er aber meinte den Tempel seines Leibes.“ Doch seine Landsleute – die Verkäufer von Tieren zur Opferung im Tempel und Geldwechsler, die heidnische Münzen in israelische Opfermünzen wechselten – erkannten in seinen Worten nicht den Tempel seines Leibes, sondern sagten zu Jesus: „Sechsund-vierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?“
Die von Jesus provozierten Tempelhändler sahen im Bild des Tempels nur den äußeren prachtvollen Steinbau. Dass es Jesus aber immer um das Innere des Tempels – nämlich die Gegenwart Gottes unter den Menschen ging – die der Tempel darstellte, erkannten sie nicht. Ihre Gottesbeziehung blieb sowohl in ihren Opferangeboten wie auch in der Benutzung des Tempels rein äußerlich. Religionsausübung kann nicht nur, sondern ist auch heute für viele oft nur äußeres Ab–Handeln: „Beziehung zum sichtbaren Äußeren“ – mit Beziehungslosigkeit zum unsichtbaren lebendigen Gott „ICH BIN BEI EUCH.
Das Sichtbare – die Oberfläche – verdeckt, verhüllt das unsichtbare Leben, das wir Gottvertrauen nennen: DU BIST BEI UNS.
„Er aber meinte den Tempel seines Leibes.“
Dieser Satz macht letztlich sogar deutlich, dass es beim Betreten des Tempels darum geht, uns selbst als Tempel zu erkennen, in welchem Gott sich niedergelassen hat. „Ihr seid Gottes Bau“, schreibt Paulus den Christinnen und Christen in Korinth und gibt Antwort auf die von ihm gestellte Frage: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? … Denn Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr.“ Was für eine Frage, aber noch viel mehr: Was für eine Antwort: „Ihr seid Gottes Tempel und der Geist Gottes wohnt in euch! … Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr.“
Ich bin Gottes Tempel. Du bist Gottes Tempel. Wir sind Gottes Tempel…, und zwar durch Christus Jesus, unseren Herrn. Was denken wir von uns selbst? Glauben wir, haben wir Vertrauen, dass Gott in uns wohnt? Dieser Glaube bewirkt Auferstehung – nicht erst nach dem Tod, sondern „jetzt!“. Darum heißt es heute am Schluss: „Als er von den Toten auferweckt war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.“
„Wir sind Gottes Tempel wurde. Gott wohnt in uns.“ Wird durch Jesus schon im Diesseits zur „Jetztwirklichkeit“ unseres Lebens. Das ist das eigentliche Kirchweihfest. Das ist der heilige Kirmestanz, der sich um den Baum des ewigen Lebens dreht. Ob wir durch Jesus auch zu uns selbst sagen, wenn wir am heutigen Sonntag zur Kirche, zum Haus Gottes, zum Tempel gehen: „Ich aber meine den Tempel meines Leibes.“? Schließlich empfangen wir doch den Leib Christi und sagen „AMEN“ dazu.
Ferdinand Rauch / rauch-signale.de
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid
und der Geist Gottes in euch wohnt?
Schafft das hier weg,
macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Austreiben…, was nicht in den Tempel gehört…
Was muss ich
durch Jesus
bei mir
austreiben lassen?
Welche falschen Vorstellungen von Gott,
von mir,
von anderen,
von Kirche?
Schmerzliche Frage …
…wie eine Geißel aus Stricken
treibt hinaus
schüttet aus,
stößt um,
„Schafft das weg“, …
damit
ihr Gottes Tempel seid
und
der Geist Gottes in euch wohnt.
Kirchweihfest:
„Groß Reinemachen“.
Das ist der Kirmestanz!