Erste Lesung aus dem Buch Jesája. Jes 60, 1–6
1 Steh auf, werde licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht
und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir.
2 Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker,
doch über dir geht strahlend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.
3 Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
4 Erhebe deine Augen ringsum und sieh: Sie alle versammeln sich, kommen zu dir.
Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter werden auf der Hüfte sicher getragen.
5 Da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird erbeben und sich weiten.
Denn die Fülle des Meeres wendet sich dir zu, der Reichtum der Nationen kommt zu dir.
6 Eine Menge von Kamelen bedeckt dich, Hengste aus Mídian und Efa.
Aus Saba kommen sie alle, Gold und Weihrauch bringen sie
und verkünden die Ruhmestaten des Herrn.
Zweite Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Éphesus. Eph 3, 2–3a.5–6
Schwestern und Brüder!
2 Ihr habt gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat.
3 Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis kundgetan.
5 Den Menschen früherer Generationen wurde es nicht kundgetan,
jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden:
6 dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören
und mit teilhaben an der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus. Mt 2, 1–12
1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war,
siehe, da kamen Magier aus dem Osten nach Jerusalem
2 und fragten: Wo ist der (neu)geborene König der Juden?
Wir sahen seinen Stern im Osten und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
4 Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen
und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle.
5 Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa;
denn so steht es geschrieben bei dem Propheten:
6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste
unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen,
der weiden wird mein Volk Israel.
7 Danach rief Herodes die Magier heimlich zu sich
und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.
8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte:
Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind;
und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige!
9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg.
Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen,
zog vor ihnen her und blieb stehen darüber, wo das Kind war;
10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter;
da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor
und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren,
zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land
FESTTAGSGEDANKEN
Den Menschen früherer Generationen wurde es nicht kund-getan, jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden: dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und mit teilhaben an der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium.
Paulus schildert hier einen wichtigen Vorgang unseres Glaubens: unser christlicher Glaube ist ein Glaube, der sich in der Zeit weiter-entwickelt und alle Menschen in die umfassende Liebe Gottes hineinholt. Damals ein ungeheuerlicher Glaubensfortschritt im christlichen Glaubensverständnis, das aus dem Judentum hervor-ging. Leider hatte diese Weiterentwicklung auch zur Folge hatte, dass einige Jahre später das pharisäische Judentum sich vom Christentum trennte, weil man diese Erweiterung ablehnte. (Die Synode von Jamnia (auch Jabne) war eine entscheidende, aber umstrittene Versammlung jüdischer Gelehrter im späten 1. Jahrhundert n. Chr. in der palästinischen Stadt Javne (Jamnia) (Jamnia), die nach der Zerstörung des Zweiten Tempels 70 n. Chr. um das Jahr 100 herum stattfand, um 1. das Judentum neu zu definieren, 2. den Kanon der Hebräischen Bibel festzulegen und 3. eine klare Trennung vom sich entwickelnden Christentum zu vollziehen, indem jüdische Christen aus der Synagoge ausgeschlossen wurden. Die Ereignisse in Jamnia waren zentral für die Entstehung des rabbinischen Judentums)
Vielleicht Zeigt uns dieser historische Verlauf, dass „Fortschritt im Glauben“ auch immer mit Entscheidungen zu tun hat, wobei eine Entscheidung immer eine Entscheidung im Sinne der größeren Liebe Gottes zu allen Menschen angestrebt werden muss.
Das ist im Blick auf die zurückliegende Kirchengeschichte nicht immer gelungen. Um nur an wenige schwierige Weiterentwicklungen unseres katholischen Glaubens zu erinnern, nenne ich Stichworte wie die Entwicklung der Ökumene zwischen Katholischer und Evangelischer Kirche mit schrecklichen kriegerischen Auseinandersetzungen und gegenseiti-gem Absprechen des „wahren Glaubens“ in unserem Land, was noch bis in die 80er bis 90er Jahre des letzten Jahrhunderts regional nachwirkte. Aber auch die Stellung der Frau wurde in unserer katholischen Kirche erst in den letzten Jahrzehnten verbessert, wenn man bedenkt, dass erst ab 1978 kirchenrechtlich Mädchen als Messdienerinnen erlaubt wurden, Frauen Lektoren- und Kommunion-helferdienste übernehmen konnten, aber bis heute nicht zu heiligen Weihen wie dem Diakonat, dem Priester- oder Bischofsamt zugelassen werden. Papst Johannes-Paul II. verbot sogar weitere Diskussionen zu diesem Thema. Und wie lange brauchte auch unsere Kirche, um einen ordentlichen Umgang mit Menschen diverser sexueller Orientierung und Lebens-führung zu pflegen. Es gäbe noch viele Beispiele der stagnierten, zähen, unvollendeten, aber auch gelungenen Fortschritts der Weiterentwicklung in unserer Kirche.
Vielleicht fragt sich jetzt jemand: „Und was hat das mit dem Hochfest der Erscheinung des Herrn zu tun?“ Nun, da kommen heidnische Magier – auch Sterndeuter genannt.
„Astrologen“ – nicht „Astronomen“! Sie deuten ihren Stern zunächst verkehrt, denn sie suchen ein neugeborenes Königskind im Palast von Jerusalem. Dort erfahren sie vom König Herodes – dessen Name „Halbgott“ bedeutet, dass es dort kein neugeborenes Königskind gibt. Erschrocken von der Geschichte der Magier fragt der König seine Berater, was sie über eine „Christus-Geburt“ wüssten. Der „Halbgott“ ahnt wohl, dass da nicht irgendein Adelsknabe geboren wurde, sondern der „wahre Gott-Mensch“, sodass die Thora „antwortet“: „so steht es bei dem Propheten geschrieben: „Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist die Stadt aus der ein Fürst hervorgehen wird, der weiden wird mein Volk Israel.“
Herodes und ganz Jerusalem zitieren ihr eigenes Glaubensbuch, aber ihr Glaube erweitert sich nicht durch das Wort Gottes. Sie bleiben ungläubig hocken. Die Sterndeuter, die Heiden aber lassen sich durch das Wort des lebendigen Gottes nun auf „neue Wege führen“, die zu Christus führen. – Übrigens: Man nannte die erste Christengeneration „Anhänger des „NEUEN WEGES“ bevor man sie Christen nannte. – Da können wir erkennen, warum schon Paulus schrieb: dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und mit teilhaben an der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium.
Und so ziehen die Sterndeuter nun als Christus-Deuter nach Bethlehem und finden das Kind. Wieder müssen auch sie ihre Glaubenssicht erweitern und ein einfaches Menschenkind als „Gotteserscheinung“, als „Erscheinung des Herrn“, als Christus anerkennen, was sie auch tun. Sie bringen die göttlichen Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe und zeigen mit ihren Gaben an, dass dieses Kind „hochheilig“ ist. Die Sterndeuterei ist nun vorbei. Vom Stern ist keine Rede mehr. Auch ziehen sie auf einem „anderen Weg“ heim in ihr Land. Sie sind nun Anhänger des „Neuen Christusweges“.
Welche neuen Glaubenswege, welche Glaubenserweiterungen sind bei uns nötig, damit wir Christus in unserem Menschsein erkennen? Suchen wir unsere Gottesbeziehung an der verkehrten Stelle?
Suchen wir sie im weltlich Besonderen und nicht im einfachen göttlichen Jesus: dem ICH BIN BEI EUCH–RETTET?
Sind da nur Halbgötter, die uns den Weg weisen wollen, ohne ihn selbst mit uns zu gehen? Kennen wir eigene Glaubens-Erfahrungen, durch die unser Leben erweitert wurde?
Wo das geschah, wo das geschieht, da erfüllen sich die Worte des Propheten Jesaja: Da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird erbeben und sich weiten. Und du wirst im Herzen den Ruf hören: Steh auf, werde licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir. Denn dann bist Du der Stern, der andere zu Christus führen kann.
Ferdinand Rauch / rauch-signale.de
STERNDEUTER
Menschen,
die nachts nach Oben schauen,
in den Himmel,
wo Gott wohnen soll.
Viel zu weit weg!
Aber sie suchen dort nach Gott,
der sich ICH BIN BEI EUCH nennt.
Glücklich,
wer Gottes Wort kennt:
ICH BIN BEI EUCH.
Dem und der ist Gott ganz nah.
STERNDEUTER
Menschen,
die nachts nach Oben schauen,
in den Himmel,
wo Gott wohnen soll.
Viel zu weit weg!
Aber sie suchen dort nach Gott,
der sich ICH BIN BEI EUCH nennt.
Glücklich,
wer Gottes Wort kennt:
ICH BIN BEI EUCH.
Dem und der ist Gott ganz nah.
Mehr noch:
in dem, in der ist Gott.
Zum Himmel aufschauen
und sagen können:
"Gott, Du lebst in mir!"
Das sind whre Sternstunden.
Mehr noch:
in dem, in der ist Gott.
Zum Himmel aufschauen
und sagen können:
"Gott, Du lebst in mir!"
Das sind whre Sternstunden.