4. SONNTAG i.Jkr. A

Erste Lesung aus dem Buch Zefánja.      Zef 2, 3; 3, 12–13

 2,3 Sucht den Herrn, all ihr Gedemütigten im Land, die ihr nach dem Recht des Herrn lebt!

        Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut!

        Vielleicht bleibt ihr geborgen am Tag des Zorns des Herrn.

3,12 Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk.

        Sie werden Zuflucht suchen beim Namen des Herrn

13    als der Rest von Israel. Sie werden kein Unrecht mehr tun und nicht mehr lügen,

        in ihrem Mund findet man keine trügerische Rede mehr.

        Ja, sie gehen friedlich auf die Weide und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen.

Zweite Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth. 1 Kor 1, 26–31

26 Seht auf eure Berufung, Schwestern und Brüder! 

     Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,

27 sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen,

     und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.

28 Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt:

     das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten,

29 damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.

30 Von ihm her seid ihr in Christus Jesus,

     den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.

31 Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus. Mt 5, 1–12a

     In jener Zeit, – und das ist HEUTE – 

1   als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg.

     Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm.

2   Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach: 

3   Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört (ist das Königtum der Himmel) das Himmelreich.

4   Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

5   Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.

6   Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.

7   Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

8   Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.

9   Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

10 Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; 

     denn ihnen gehört (ist das Königtum der Himmel) das Himmelreich.

11 Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt

     und alles Böse über euch redet um meinetwillen.

12 Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

 

SONNTAGSGEDANKEN 

7-mal Zukunftsmusik: denn sie werdengetröstet werden, … sie werden das Land erben, … sie werden gesättigt werden, … sie werden Erbarmen finden, … sie werdenGott schauen, … sie werden Kinder Gottes genannt werden, … denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

7-mal zukünftige Seligkeitsverheißung!  –  aber auch 7-mal: Nicht jetzt!

Nur 2-mal eine Gegenwartszusage!  Nämlich 2-mal: … „denn ihnen gehört das Himmelreich.“  Einmal am Anfang und einmal am Ende der Seligpreisungen.

In der Gegenwart – im jetzigen Leben „selig sein“, weil uns das Himmelreich gehört. Ist das unsere gegenwärtige Seligkeit? Ist es das, was uns gegenwärtig selig macht, froh macht, auch wenn all die anderen Verheißungen wichtiger Zustände für die ferne Zukunft zugesagt sind? 

Was würden wir bei einem Spielstand von „7 zu 2“ sagen?  Welche Siegesmöglichkeit zum Spielgewinn sehen wir in dem zweimaligen Treffer: „… denn ihnen gehört das Himmelreich“

Es heißt nicht: „Sie gehören zum Himmelreich“, sondern: „ihnen gehört das Himmelreich“. Gott hat uns durch Jesus zugesagt, dass uns das Himmelreich gehört. Wir besitzen das Himmelreich, „wir besitzen den Heiligen Geist – das Unterpfand ewiger Herrlichkeit“, wie es Im Hoch-gebet der VI. Sonntagspräfation heißt.„Himmelreich“ ist also nicht das Jenseits, nicht das Leben nach dem Tod, sondern „das Reich des bedingungslosen Geliebt-Seins von Gott“, und zwar JETZT. Dieser Besitz, das Himmelreich, gehört uns schon jetzt! Dieser geistliche Besitz umfängt die vor Gott Armen, die Trauernden, die Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, die Barm-herzigen, die im Herzen reinen, die Friedenstifter und um der Gerechtigkeit willen Verfolgten und die wegen ihres Christseins Geschmähten und Verfolgten.

Können wir unsere noch ausstehende selige Zukunft abwarten, weil uns schon jetzt das Himmelreich, die bedingungslose Liebe Gottes gehört?  Oder spielt das jetzt zu uns gehörende Himmelreich keine Rolle für unser heutiges Jetzt und unsere erwartete Zukunft?Was spielt überhaupt dieses JETZT eine Rolle für uns als Christen? Seligkeit ist nicht erst die Seligkeit im sogenannten „Jenseits“. 

Die Seligkeit, die Jesus verkündet, gilt auch schon für jetzt! Unser Glaube ist immer ein Glaube an den Gott, der jetzt und in Zukunft bei uns und mit uns und in uns ist. Es gibt keine Zeit ohne Gott. Darum gibt es auch keinen Menschen ohne Gott. Immer gilt, was Paulus in der heutigen Zweiten Lesung schreibt: „Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.“ 

Paulus schreibt das nicht, damit wir Schönes zu lesen haben, son-dern damit wir diese Worte verinnerlichen, in uns aufnehmen, uns mit ihnen identifizieren. Denn uns gehört das Himmelreich – die unzer-störbare Beziehung, die Gott als bedingungslos Liebender schenkt.Diese unwiderrufliche JETZT-Zugehörigkeit Gottes zu uns, soll uns Hoffnung – ja sogar Gewissheit – geben, dass die in unserer Lebens-zeit nicht sofort erreichbaren Verheißungen trotzdem eintreten werden. Und zwar nicht erst, bzw. nicht nur im Jenseits, sondern auch schon in vielen Lebenserfahrungen in unserer Zeit jetzt.

Der Prophet Zefánja sagt dazu: „Sie werden Zuflucht suchen beim Namen des Herrn“. Und der Name des Herrn ist nun mal: „ICH BIN BEI EUCH“. Das gilt auf ewig! Das ist „der Trost, das Erbe, die Sättigung, das Erbarmen, die Gottessschau und die Gotteskind-schaft“ in unserer Zeiterfahrung und für uns in Ewigkeit. Nur wer sich irgendwie von Gott getrennt sieht, kann diese Seligkeit nicht wirklich als erfüllend empfinden – ist skeptisch, hat Angst um sich: „…kann es nicht glauben.“ Doch Jesu Wort als vom Tod auferstandenes Wort lautet: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“            Ferdinand Rauch / www.rauch-signale.de

Worte

haben Inhalte,

wollen sprechen,

etwas aussagen, 

etwas weitergeben,

Dich und mich erreichen, 

Dich mit mir verbinden, 

vereinen.

Nur Worte

erreichen,

verbinden

uns mit dem, 

was über die sichtbare Welt hinausgeht.

Worte,

die halten, 

die tragen,

die als „Nichts“ 

„ALLES“ sind.

 

Luft, die alles füllet,

drin wir immer schweben,

aller Dinge Grund und Leben, 

Meer ohn Grund und Ende,

Wunder aller Wunder,

ich senk mich in Dich hinunter.

Ich in Dir, Du in mir,

lass mich ganz verschwinden,

Dich nur sehn und finden!                         (Gerhard Terstegen)